Was ist ein Nationalpark?

Die internationale Naturschutzunion (IUCN) beschreibt Nationalparks als großflächige natürliche oder naturnahe Gebiete oder Landschaften samt ihrer typischen Arten- und Ökosystemausstattung. Sie werden zur Sicherung großräumiger ökologischer Prozesse ausgewiesen und bieten eine Basis für Bildungs-, Erholungs- und Besucherangebote. Mehr dazu »

Wie groß wäre so ein Nationalpark?

In Bayern muss ein Nationalpark mindestens 10.000 Hektar groß sein – das ist eine Fläche von 10 mal 10 Kilometer. Das sind gerade mal 6% des gesamten bayerischen Spessarts (170.000 Hektar). Somit würde lediglich ein Bruchteil davon zum Nationalpark erklärt werden. Für einen Nationalpark sollten nur öffentliche Waldflächen ausgewiesen werden. Der Suchraum für den Schutz eines Waldgebietes von 10.000 Hektar wäre wohl vor allem im Hochspessart, in den Landkreisen Main-Spessart, Aschaffenburg und Miltenberg. Aus naturschutzfachlicher Sicht wären besonders Wälder im BaySf-Forstbetrieb Rothenbuch für die Einrichtung eines Nationalparks geeignet.

Wie wird ein Nationalpark eingeteilt?

Zonierung50 Prozent einer Nationalparkfläche sollten von Anfang an als Naturzone ausgewiesen werden, um natürliche Entwicklungen und Prozesse zuzulassen. Weitere 25 Prozent der Fläche bilden eine sogenannte „temporäre Entwicklungszone“ und sollten innerhalb von 30 Jahren der Natur überlassen werden. Hier können Waldumbau- und Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die anderen 25 Prozent bilden die dauerhafte Managementzone (Pflege bzw. Randzone). Hier werden beispielsweise in der Randzone, falls notwendig, Borkenkäfer bekämpft oder Wildtiermanagement zum Schutz der benachbarten Flächen durchgeführt, um zu vermeiden, dass z.B. Wildschweine auf angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen große Schäden verursachen. In der Pflegezone können dauerhaft auch besondere Biotope wie Huteeichen und Magerwiesen gepflegt werden. Mehr dazu »

Welchen Nutzen haben Nationalparks für die Natur?

Schützen naturnahe Gebiete oder Landschaften
Fördern natürliche Entwicklung auf großer Fläche
Lassen eine selbstständige Anpassung an Veränderungen wie den Klimawandel zu
Erhalten die Vielfalt verschiedener Lebensräume, Arten und Gene (Biodiversität)
Schaffen Rückzugs- und Vermehrungsgebiete für wildlebende Pflanzen, Pilze und Tiere
Sichern ausreichende Flächen für ein dauerhaftes Überleben von Tierpopulationen die viel Platz brauchen
Mehr dazu »

Welchen Nutzen haben Nationalparks für die Region?

Erhöhen die Attraktivität ihrer Region insbesondere für Naturerleben und Erholung
Bieten hohe Lebens- und Wohnqualität
Fördergelder werden bevorzugt in Nationalparkregionen investiert
Verstärkter Ausbau der Infrastruktur, wie öffentlicher Nahverkehr und kulturelle Angebote
Attraktivität der Region für Investoren steigt
Schaffen neue Arbeitsplätze, beispielsweise in den Sektoren Handwerk, Einzelhandel und Dienstleister
Steigerung des Bekanntheitsgrads und des Wiedererkennungswertes der Region
Touristische Aufwertung der Region
Liefern neue Erkenntnisse durch umfassende Forschungen und sind so Lernfläche für naturnahe Bewirtschaftungsweisen
Bieten notwendige Erfahrungsräume für Umweltbildung

Wie wird die Bevölkerung beteiligt?

Die Entscheidung über einen Nationalpark trifft – im Gegensatz zu Naturschutzgebieten – der Landtag in Bayern. Im Spessart gibt es ausreichende Flächen im öffentlichen Staatswald, die sich für einen Nationalpark besonders gut eignen würden. Für die Akzeptanz vor Ort sollte bei der Auswahl der in Frage kommenden Flächen aber die Bevölkerung eingebunden werden. Wichtige Themen wie z.B. die Brennholzversorgung, Arbeitsplätze in der Forst- und Sägeindustrie, Fragen zum Pilzsammeln und Wegegeboten sowie Infrastrukturmaßnahmen für die Besucher müssen im Vorfeld beantwortet werden.
Die Auswahl geeigneter Gebiete sollte über einen offenen moderierten Dialog mit allen Beteiligten getroffen werden. Die Bevölkerung wird in den verschiedenen Planungsphasen durch ihre kommunalen Vertreter aus Kreis und Kommune vertreten. Öffentlich anerkannte Verbände sowie beteiligte und betroffene Bürger müssen angehört und ihre Einwände abgewogen werden. Mehr dazu »

Welchen Einfluss haben Landkreise und Kommunen?

Nationalparks schützen nicht nur die Natur, sondern sehen sich gleichzeitig als wichtige Motoren einer naturschutzorientierten Regionalentwicklung. Daher ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig. Die Planungshoheit für Flächen außerhalb des ausgewiesenen Nationalparks bleibt beim jeweiligen Eigentümer, z.B. den Kommunen. In vielen Nationalparks gibt es auch einen kommunalen Nationalpark-Ausschuss, in dem Landräte und Bürgermeister der betroffenen Region sitzen und mit der Nationalparkverwaltung gemeinsam z.B. Maßnahmen und deren Umsetzung erarbeiten.

Ist der Nationalpark für die Öffentlichkeit zugänglich?

Nationalparke in Deutschland sind frei zugänglich und kosten keinen Eintritt. Für auswärtige Besucher und Touristen sind Lenkungsmaßnahmen aufgrund fehlender Ortskenntnis sinnvoll. Durch ein gezieltes Angebot an attraktiven Wegen, Informationen und geführten Touren sollen die Besucher die Möglichkeit haben, unberührte Natur zu erleben, ohne ihr zu schaden. Für Einheimische gelten in vielen Nationalparken alte Wegerechte weiter.
Nationalparks sollen ein Ort der Begegnung von Mensch und Natur sein. Ob Waldflächen betreten oder Wanderwege verlassen werden können, kann durch die Nationalparkverordnung geregelt werden. In der Regel ist ein Betretungsverbot nicht notwendig, da der Großteil der Besucher ohnehin lieber ausgewiesene und bereits vorhandene Wanderwege nutzt. Auch in anderen Nationalparken wie Berchtesgaden oder Hainich können Besucher die Wege auch verlassen.
Das Sammeln von Waldfrüchten für den privaten Gebrauch ist auch in vielen Nationalparks erlaubt. All diese wichtigen Themen müssen vor Ort mit den Menschen diskutiert und gemeinsam entwickelt werden. Verbote sollten die absolute Ausnahme sein. Mehr dazu »

Ist die Brennholzversorgung gesichert?

Für die Anrainer eines Nationalparks Spessart kann durch Holz aus der Entwicklungszone bzw. aus benachbarten Wäldern ausreichend Brennholz zur Verfügung gestellt werden. Für die Nationalpark-Planungskulisse können unter Beteiligung der Bevölkerung detaillierte Brennholzkonzepte erarbeitet werden, die gewährleisten, dass der Brennholzbedarf für die örtliche Bevölkerung in naher Entfernung auch weiter gedeckt wird. Auch für die besonderen Spessart-Holzrechte muss eine annehmbare Lösung gefunden werden. Mehr dazu »

Wie sind die Auswirkungen auf die Holzwirtschaft?

Natürlich werden Waldflächen aus der Holzproduktion genommen, aber nicht von heute auf morgen. Bei einem potenziellen Nationalpark von 10.000 Hektar Größe würden 5.000 Hektar mit Einrichtung bzw. innerhalb von 30 Jahren 7.500 Hektar Waldfläche aus der Nutzung genommen. Auf den restlichen 2.500 Hektar Fläche – in der sogenannten Pflege- oder Managementzone – wäre eine Holznutzung weiterhin möglich, soweit sie mit den Schutzzielen des Nationalparks übereinstimmt und diesen dient. Die holzverarbeitende Industrie hat 20 bis 30 Jahre Zeit, sich auf Veränderungen hin zu den kleineren bewirtschafteten Flächenanteilen innerhalb des Nationalparks einzustellen. Die Sägebetriebe die direkt Holz aus der betroffenen Fläche im Spessart beziehen, müssen mit den benötigten Holzsortimenten und Mengen identifiziert werden und alternative Belieferungsmöglichkeiten in der Region gefunden werden. Zusicherungen über Mengen und Marktpreise gibt es auch in anderen Nationalparkregionen. Mehr dazu »

Bleiben die Arbeitsplätze erhalten?

Arbeitsplätze in der Forstverwaltung fallen durch einen Nationalpark nicht weg, sondern gehen in eine Nationalparkverwaltung über. Die Entwicklung des Nationalparks benötigt auch weiterhin qualifizierte Förster und Waldarbeiter. Fachkräfte werden langfristig zur Betreuung der Managementzone des Parks gebraucht. Beispiele anderer Nationalparks in Deutschland zeigen, dass durch diese mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, als verloren gingen.

Wenn der Nationalpark kommt, verschwindet die Eiche?

Die Eiche wird nicht aus dem Spessart verschwinden- schon allein deshalb, weil ein Nationalpark nur auf einem Bruchteil der Fläche eingerichtet würde. Auch heute sind schon viele wertvolle Alt-Eichenbestände verschwunden. Reste sind vor allem in kleinen Schutzgebieten oder als Klasse 1-Wälder erhalten. Noch vorhandene Eichenbestände, die innerhalb der Naturzone des Nationalparks liegen, können dort alt werden. Dass vor allem bereits alte Eichenbestände durch die Buche überwachsen werden braucht nicht befürchtet zu werden: Solche Prozesse dauern viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte. In der Naturzone des Nationalparks wird sich der Eichenanteil über die Jahrhunderte vermutlich aber reduzieren und auf ein natürliches Vorkommen im Spessart anpassen. Wie hoch dieses – auch unter einer klimatischen Erwärmung mit mehr Trockenperioden, die die Eiche wieder negünstigen würde – ist kann nicht eingeschätzt werden. Mehr dazu »

Weitere Informationen

Infos der Staatsregierung zum Auswahlprozess: www.np3.bayern.de
Webseite der Bürgerbewegung für den Nationalpark: www.freunde-des-spessarts.de
Weitere Informationen: www.greenpeace-muenchen.de/nationalpark